Unsere Stärke entscheidet sich jetzt!

©ver.di
Im Juli ist die letzte Erhöhungsstufe aus dem Tarifabschluss 2024 wirksam geworden: 2,0 Prozent mehr Entgelt, für Nachwuchskräfte 50 Euro mehr Vergütung. Das ist wichtig – aber es ist kein echter Einkommenszuwachs. Es ist vor allem ein weiterer, später Ausgleich für die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre.
Gerade deshalb geht der Blick jetzt nach vorn. Ab Oktober 2026 wird wieder verhandelt. Und diesmal wollen wir nicht erst am Verhandlungstisch Druck aufbauen. Wir wollen von Anfang an stärker in diese Tarifrunde gehen als in der Vergangenheit. Und dafür kommt es ab sofort auf alle an - denn nur MIT DIR wird es eine sichere Bank und eine faire Gehaltserhöhung geben.
Klar ist aber auch: Die aktuelle Erhöhung zahlt nicht auf die aktuellen Preissteigerungen ein – sie stellt vor allem einen verspäteten Ausgleich für die hohe Inflation der Jahre 2022 und 2023 dar. Damals reduzierten Preissteigerungen von 6,9 % und 5,9 % die Kaufkraft spürbar. Erst 2024 ging die Jahresinflation auf 2,2 % zurück. Die Juli-Erhöhung bedeutet keinen Einkommenszuwachs. Sie gleicht vor allem einen Teil der Kaufkraftverluste aus den vergangenen Jahren aus – nicht mehr und nicht weniger. Der Trend der letzten Jahre zeigt aber weiterhin einen spürbaren Kaufkraftverlust.
Die Verhandlungstermine für 2026 im Überblick
1. Verhandlungstermin:
Donnerstag, 8. Oktober 2026, Berlin
2. Verhandlungstermin:
Montag, 2. November 2026, Frankfurt / Rhein-Main
3. Verhandlungstermin:
Montag, 23. November 2026, Berlin
Denn gute Tarifabschlüsse entstehen nicht erst in den Verhandlungen. Sie entstehen vorher – in den Instituten, in den Teams, durch Beteiligung, Klarheit und Organisation. Je mehr Beschäftigte sich beteiligen, Mitglied werden und den Kurs unterstützen, desto glaubwürdiger und entschlossener können wir in den Verhandlungen auftreten.
Unser Ansatz: Die Forderung wächst mit deiner Unterstützung
Die ver.di-Tarifkommission hat beschlossen, die konkrete Forderungshöhe in dieser Tarifrunde an einen Stärketest zu koppeln. Das heißt: ver.di legt nicht einfach eine Zahl fest und hofft dann auf Zustimmung. Wir verbinden die Höhe unserer Forderung direkt mit der Bereitschaft, sie gemeinsam zu tragen und durchzusetzen. Dafür haben wir einen Rahmen auf Grundlage der Forderungsbefragung festgelegt.
Unsere Position: Eine Forderung von bis zu 8 Prozent ist fair und gerechtfertigt
Mit Blick auf die wieder spürbar steigenden Lebenshaltungskosten in diesem Jahr und dem Nachholbedarf aus den vergangenen Jahren sehen wir eine Gehaltsforderung von bis zu 8 Prozent als gerechtfertigt an. Die genaue Forderungshöhe hängt aber von der Unterstützung aller Beschäftigten ab. Daher hat die ver.di-Tarifkommission einen Korridor von mindestens 4 bis zu 8 Prozent festgelegt. Die genaue Höhe werden wir auf Grundlage unseres Stärketests bestimmen: Wenn sich bis Ende September mindestens 400 neue Kolleginnen und Kollegen mit uns organisieren und damit zeigen, dass sie hinter der Forderung stehen, werden wir 8 Prozent fordern. Sollte das Ziel von 400 Neumitgliedern nicht erreicht werden, orientiert sich die Forderungshöhe an der tatsächlich erreichten Zahl der Beitritte und damit an eurer konkreten Unterstützung.
Sicherheit entsteht MIT DIR
Neben dem Entgelt rückt diese Tarifrunde ein Thema in den Mittelpunkt, das viele Kolleginnen und Kollegen beschäftigt: Sicherheit. Die Entwicklungen in der Branche, Umbauprozesse, steigende Unsicherheiten durch mögliche Fusionen in einzelnen Instituten und der anhaltende Veränderungsdruck durch KI zeigen: Es geht nicht nur um mehr Geld. Es geht auch um die Frage, wie sicher unsere Arbeitsplätze zukünftig noch sind. Deshalb soll bei Erreichen des Mitgliederziels von 400 Neueintritten ein besonders starkes Anliegen in die Verhandlungen eingebracht werden: der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2032. Wird dieses Ziel nicht erreicht, soll ein entsprechend schwächeres, aber weiterhin auf Sicherheit gerichtetes Anliegen formuliert werden.
Der Stärketest läuft vom 21. Juli bis zum 30. September
Am 2. Oktober wird die Tarifkommission auf Grundlage der erreichten Neueintritte und der Stützunterschriften die endgültige Forderungshöhe und das vollständige Forderungspaket beschließen. Klar ist schon jetzt: Das Gesamtpaket kann neben Entgelt und Sicherheit auch weitere Themen enthalten – etwa Altersteilzeit, Mitgliedervorteile oder Regelungen im Zusammenhang mit KI und Veränderungen der Arbeit. Auch dieser Umfang ist abhängig von der Unterstützung und der Stärke, die wir jetzt miteinander aufbauen.
Zum Stärketest gehören nicht nur Neueintritte. Wir wollen zusätzlich 6.000 Stützunterschriften gewinnen. Denn Tarifmacht zeigt sich nicht nur in Mitgliedszahlen, sondern auch darin, wie sichtbar und breit Forderungen im Betrieb getragen werden. Je mehr Kolleginnen und Kollegen unterschreiben, desto klarer ist das Signal an die Arbeitgeber: Diese Tarifrunde wird ernst genommen.
Nachwuchskräfte: eigene Dynamik, eigene Forderung
Auch für Nachwuchskräfte soll die Forderung an die tatsächliche Unterstützung gekoppelt werden. Denn gerade in der Befragung wurde deutlich: Viele Nachwuchskräfte erwarten zu Recht mehr. Daher haben wir hier einen Forderungskorridor von 150 Euro bis 350 Euro festgelegt und werden mit 350 Euro in die Verhandlungen gehen, wenn dieses Ziel von mindestens 100 Nachwuchskräften durch ihren Beitritt unterstützt wird.
So, wie es war, kann es nicht bleiben - warum wir diesen neuen Weg gehen
Eine Forderung ist nur so stark wie die Bereitschaft, für sie einzustehen. Wir wollen deshalb nicht nur fragen, was sich Beschäftigte wünschen. Wir wollen zugleich daran arbeiten, bis zum Verhandlungsstart möglichst viel gemeinsame Durchsetzungskraft aufzubauen. Genau darin liegt der Unterschied zu früheren Runden: Mehr Stärke am Anfang statt Frust am Ende, weil wir nicht genug durchsetzen konnten.
Diese Tarifrunde entscheidet sich nicht erst im Oktober
Die Verhandlungen beginnen im Oktober. Aber ob wir mit 4, 6, 7 oder 8 Prozent in diese Runde gehen, ob Sicherheit ein starkes Verhandlungsthema wird und wie selbstbewusst wir auftreten können, entscheidet sich jetzt.
Die 2 Prozent aus Juli können der Startschuss sein
Seit Juli gibt es 2 Prozent mehr Gehalt. Ein möglicher Gedanke für viele ist deshalb: Von diesem Plus direkt 1 Prozent Mitgliedsbeitrag in die eigene Stärke für die nächste Tarifrunde und den nächsten Tarifabschluss investieren. Denn der Mitgliedsbeitrag ist nicht einfach ein Abzug. Er ist ein Beitrag dazu, höhere Forderungen stellen zu können, stärker aufzutreten und mehr durchzusetzen. Wer heute in gemeinsame Stärke investiert, verbessert die Ausgangslage für morgen.
Mehr Forderung braucht mehr Rückhalt. Mehr Sicherheit braucht mehr Organisation. Mehr Tarifmacht entsteht, wenn sich jetzt mehr Beschäftigte einmischen. Die Tarifrunde 2026 beginnt nicht erst am Verhandlungstisch. Sie beginnt in den Instituten. MIT DIR!